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Was geschah in Gossau am 8. März 2026?

Lokal war der 8. März 2026 schon länger ein grosses Thema, und nachdem die regionale Presse ausführlich darüber berichtet hatte, widmeten sich sogar der urbane Tages-Anzeiger, die weltgewandte Neue Zürcher Zeitung und das Skandal-erprobte Portal insideparadeplatz der Nachricht aus der Provinz: In Gossau wurde der Gemeindepräsident abgewählt! Was war geschehen?

Je entfernter die Kommentatoren sich befanden, desto klarer sahen sie den einen und einzigen Grund. Der FDP-Mann Jörg Kündig, bekannt in seiner weiteren Funktion als Präsident des Verbandes der Gemeindepräsidien des Kantons Zürich und damit als sogenannter 8. Regierungsrat des Kantons Zürich, war wegen des Spitals Wetzikon abgewählt worden. In seiner Amtszeit als Präsident des Verwaltungsrates der GZO AG musste das Spital um Nachlassstundung ersuchen. Der Schaden für Gläubiger und Aktionärsgemeinden beträgt provisorisch 200 Millionen Franken; die finanzschwachen Gemeinden des Zürcher Oberlandes müssen 50 Millionen Franken frisches Eigenkapital zur Verfügung stellen; der Kanton Zürich soll eine Fremdfinanzierung in gleicher Höhe garantieren.

Dieselbe Ursache identifizierte die FDP Gossau, aber mit einem wichtigen Zusatz. Die SVP Gossau habe, so lauten ihre Aussagen in Tages-Anzeiger und Neue Zürcher Zeitung, eine Schmutzkampagne gegen Jörg Kündig geführt, um ihren SVP-Kantonsrat Daniel Wäfler als Gemeindepräsidenten zu installieren. Auf den Mann sei gezielt worden, ein nicht existierendes Problem in der Gemeinde selber herbeigeredet worden, Flugplätter seien verteilt und Leserbriefe geschrieben worden. Ein klarer Fall eines ungerechtfertigten und hinterhältigen Angriffes und erfolgreichen Umsturzes eines erfolgreichen und unangefochtenen Gemeindepräsidenten.

Die lokalen Medien sahen dies differenzierter. So berichtete der Zürcher Oberländer von grosser Unzufriedenheit im Dorf und kommentierte, Jörg Kündig habe den Zeitpunkt seines Abganges verpasst.

Weder ein König noch ein Gemeindepräsident müssen sich fürchten, wenn alle zufrieden sind. Bei der Erneuerungswahl 2022 betrug die Stimmbeteiligung 23% und die Wiederwahl von Jörg Kündig war völlig unbestritten.

Aber, so formulierte es zuerioberland24.ch, in den Gemeindeversammlungen wurden seither Budgets gerupft und Verordnungen zerrissen. Und dies schon seit 2023. Die SVP Gossau war nicht mehr zufrieden mit Budgetüberschreitungen, Personalwachstum und drohender Zunahme der Verschuldung von jährlich immerhin 3 Millionen Franken. In der Antwort auf eine SVP-Anfrage musste der Gemeinderat eine markante Zunahme von Stellen auf der Gemeindeverwaltung – bei konstanter Bevölkerung – einräumen. Dies führte dazu, dass die SVP erfolgreich einen Kürzungsantrag bei der nächsten Budget-Gemeindeversammlung stellte. Und kurz danach musste sie einen Stimmrechtsrekurs wegen einer weder budgetierten noch gebundenen Ausgabe einreichen; der Bezirksrat folgte den Argumenten der SVP. Die Initiative für eine Schuldenbremse wurde zugunsten des Gegenvorschlages des Gemeinderates zurückgezogen. Gossau hat jetzt eine kommunale Schuldenbremse, die vom Souverän im September 2025 mit 82% Ja-Stimmen bei einer Stimmbeteiligung von 51% verabschiedet wurde. Aber das war noch nicht alles. Die Vorlage für eine Teilrevision der Bau- und Zonenordnung wurde in der Gemeindeversammlung vom November 2025 richtiggehend versenkt. Mehrmals schritt SVP-Mann Christian Weber zum Mikrophon und stellte Änderungsanträge, welche mit grossen Mehrheiten angenommen wurden.

Mit Daniel Wäfler stellte sich ein – auch ausserhalb der eigenen Reihen – angesehener und respektierter SVP-Kantonsrat für die Kandidatur zum Gemeindepräsidenten zur Verfügung. Es gab erste erfreute Reaktionen, dass endlich eine reale Alternative zur Verfügung stehe.

Das Spital Wetzikon spielte im Wahlkampf der SVP keine Rolle, aber es war den Stimmbürgern ohnehin bewusst. Die SVP sprach die lokalen Themen an: Ewige Baustellen; Deponiepläne im Wald; die finanzielle Entwicklung der Gemeinde. An allen diesen Themen hatte die SVP Gossau kontinuierlich und während Jahren gearbeitet. An fast jeder Gemeindeversammlung hatte Claudio Zanetti, der Präsident der SVP Gossau, das Wort ergriffen, notierte der Zürcher Oberländer.
Nur gegen grossen Widerstand der FDP Gossau gelang es, eine Podiumsveranstaltung mit allen Kandidaten für den Gemeinderat zu organisieren. Der Auftritt des Amtsinhabers Jörg Kündig rief Verwunderung hervor und löste irritierte Kommentare aus.

Bei der Erneuerungswahl 2026 kam es bei sämtlichen Behörden zu Kampfwahlen. Die Stimmbeteiligung betrug fast 52% und Daniel Wäfler, der neu für den Gemeinderat kandidierte, erzielte das beste Ergebnis aller Kandidaten. Und er hatte eine sehr komfortable Mehrheit bei der Wahl des Gemeindepräsidenten. Alle neuen Kandidaten der SVP wurden gewählt und die SVP sicherte sich mit ihnen je einen zusätzlichen Sitz in Gemeinderat und Rechnungsprüfungskommission. Die bisherigen Mitglieder von Schulpflege und Sozialbehörden wurden mit hervorragenden Resultaten bestätigt.

Jörg Kündig wurde knapp nochmals in den Gemeinderat gewählt, aber vom neu kandidierenden SVP-Mann Markus Weidmann ebenfalls überholt. Ein FDP-Kandidat schied als überzählig aus. Jörg Kündig lehnte die Wahl als einfacher Gemeinderat ab und es wird einen zweiten Wahlgang für den einen freien Sitz im Gemeinderat geben.

Gewiss hat das Malaise um das Spital Wetzikon eine wichtige Rolle gespielt. Aber der frischen und engagierten Kandidatur von Daniel Wäfler konnte Jörg Kündig nicht überzeugend entgegentreten, und zu den von der SVP seit Jahren bemängelten Themen konnte oder wollte er nichts sagen. Und so fragten sich Aussenstehende verdutzt, was hier geschehen war, während die Gossauer zum Schluss kamen, genau das sei wohl absehbar gewesen.

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